
Der Markt für Pflege und Schönheit durchläuft eine Phase schneller Umstrukturierung. Angesichts der verschärften europäischen Vorschriften zu Umweltbehauptungen, dem Anstieg dermatologischer Geräte für den Heimgebrauch und dem Auftreten von Bewertungssystemen für die Auswirkungen im Regal beschränken sich die aktuellen Schönheitstrends nicht mehr nur auf die Einführung neuer Texturen oder saisonaler Paletten. Sie definieren neu, wie ein Produkt formuliert, etikettiert und verkauft wird.
Grüne Ansprüche bei Kosmetika: Was die europäische Richtlinie ändert
Das Europäische Parlament hat am 12. März 2024 die sogenannte “Green Claims”-Richtlinie verabschiedet, die die Angaben wie “kohlenstoffneutral”, “biologisch abbaubar” oder “ozeanfreundlich”, die auf kosmetischen Produkten angebracht werden, streng regelt. Die Europäische Kommission bestätigte in ihrer Mitteilung am selben Tag, dass unbegründete Ansprüche sanktioniert werden nach einer Übergangszeit.
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Jede Marke, die einen Umweltvorteil beansprucht, muss überprüfbare Nachweise erbringen. Dieser Rahmen geht weit über einfache Marketingaussagen hinaus: Er verlangt eine Nachverfolgbarkeit der Daten und eine geprüfte Berechnungsmethodik. Für die Verbraucher bedeutet dies, dass die Begriffe “clean beauty” oder “grüne Formel” nicht mehr als Verkaufsargumente ohne technische Rechtfertigung verwendet werden dürfen.
Spezialisierte Plattformen wie Univers Beauté ermöglichen es bereits, die tatsächlichen Verpflichtungen der Marken im Hinblick auf diese neuen Anforderungen zu vergleichen, indem sie die Zusammensetzungen und die angezeigten Labels abgleichen.
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Die Rückmeldungen aus der Praxis sind jedoch unterschiedlich: Einige Nischenmarken argumentieren, dass die Einhaltung der Vorschriften im Verhältnis zu ihrem Umsatz unverhältnismäßige Kosten verursacht, während große Gruppen darin eine Differenzierungschance sehen. Die konkrete Auswirkung auf die Etiketten im Regal wird erst am Ende der Übergangszeit vollständig sichtbar sein.

Öko-Score Schönheit: Umwelttransparenz im Regal und online
Seit 2023 testen mehrere französische Einzelhändler Algorithmen zur Bewertung der Umweltwirkungen, die für den Verbraucher direkt sichtbar sind. Die Initiative stützt sich auf das Konsortium EcoBeautyScore, das mehrere große Akteure der Kosmetikbranche vereint und dessen Arbeiten im Laufe des Jahres 2024 veröffentlicht wurden.
Das Prinzip: Jedes Produkt erhält eine Note, die auf seiner CO2-Bilanz, der Recycelbarkeit seiner Verpackung und dem Vorhandensein umstrittener Inhaltsstoffe basiert. Sephora in Frankreich und Marionnaud gehören zu den Einzelhändlern, die dieses System erproben.
Bekannte Grenzen der Umweltbewertung
Die verfügbaren Daten erlauben keine Schlussfolgerungen über die vergleichende Zuverlässigkeit dieser Bewertungen von einem Einzelhändler zum anderen. Mehrere Variablen bleiben undurchsichtig:
- Die Gewichtung zwischen CO2-Bilanz und Recycelbarkeit variiert je nach Konsortium, was die Noten von einem Anbieter zum anderen schwer vergleichbar macht.
- Die Bewertung umstrittener Inhaltsstoffe basiert auf Listen, die je nach den gewählten wissenschaftlichen Referenzen variieren, ohne dass es bisher einen einheitlichen Standard gibt.
- Der Berechnungsrahmen (Transport, Produktion, Lebensende) ist nicht harmonisiert, was bestimmte Produktformate künstlich begünstigen kann.
Diese Bewertung stellt einen echten Fortschritt in Bezug auf Transparenz dar, ersetzt jedoch nicht das sorgfältige Lesen der INCI-Liste oder die Überprüfung unabhängiger Zertifizierungen (Cosmos, Ecocert).
Dermatologische Pflege zu Hause: Microneedling, chemische Peelings und LED
Der auffälligste Trend im Bereich Hautpflege in den letzten Jahren betrifft die Einführung von Geräten aus der prozeduralen Dermatologie für den Heimgebrauch. Microneedling, chemische Peelings mit dosierten Säuren und LED-Masken haben sich schnell verbreitet.
Die nationale Arzneimittelbehörde (ANSM) hat am 20. Juli 2023 eine Stellungnahme veröffentlicht, die im November desselben Jahres aktualisiert wurde, um auf die zunehmend strengen Sicherheitsempfehlungen im Zusammenhang mit diesen Praktiken hinzuweisen. Microneedling zu Hause erfordert beispielsweise Nadeln mit einer begrenzten Länge, um das Risiko von Infektionen oder abnormaler Narbenbildung zu vermeiden.
Was die ANSM genau regelt
Die chemischen Peelings, die in Apotheken oder online verkauft werden, weisen unterschiedliche Konzentrationen auf, und die Behörde betont, dass bestimmte Dosierungen medizinische Eingriffe darstellen, nicht kosmetische Pflege. Die Grenze zwischen Schönheitsprodukt und medizinischem Gerät verschwimmt, was ein Problem der regulatorischen Klassifizierung darstellt.
Die LED-Masken erfreuen sich hingegen einer großen Beliebtheit, die durch soziale Medien gefördert wird, aber die Beweise für die langfristige Wirksamkeit bleiben für Verbrauchergeräte fragmentarisch. Professionelle Geräte, die in Bezug auf Wellenlänge und Leistung kalibriert sind, sind nicht mit den für einige Dutzend Euro verkauften Heimversionen vergleichbar.

Make-up und Gesichtstrends: Was den Markt 2025 prägt
Im Bereich Make-up organisieren sich die Gesichtstrends um zwei Achsen. Die erste bevorzugt leichte Texturen und strahlende Finishes, in Fortführung des durch K-Beauty populär gewordenen “Glass Skin”. Die zweite rückt die Augenbrauen ins Zentrum des Blicks, mit präziseren Strukturierungsprodukten (getönte Wachse, langanhaltende Fixiergele).
Das sogenannte hybride Make-up, das Pigmente und Pflegewirkstoffe (Hyaluronsäure, Niacinamid) kombiniert, setzt seinen Fortschritt fort. Diese Formeln ermöglichen es, Pflege und Deckkraft zu schichten, ohne die Haut zu beschweren, was einer Nachfrage nach vereinfachten Routinen entspricht.
Der Duft folgt einem ähnlichen Personalisierungstrend: Die Marken bieten zunehmend Entdeckungsformate und modulare Kompositionen an, bei denen der Verbraucher seine Kopf- und Basisnoten auswählt. Dieser Ansatz verwandelt den Kauf von Parfüm in ein sensorisches Erlebnis statt in einen Markenankauf.
Der rote Faden dieser Entwicklungen bleibt derselbe: Die Schönheit bewegt sich vom Marketing hin zur Evidenz. Sei es durch die Umweltbewertung, die regulatorische Einordnung von Ansprüchen oder die gesundheitlichen Empfehlungen zu Geräten für den Heimgebrauch, der Sektor bewegt sich auf eine Forderung nach Transparenz zu, die die Marken nicht mehr ignorieren können.